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Reede von Texel

Wenn du heute vom Wattdeich bei Oudeschild über das Meer blickst, brauchst du viel Fantasie, um dir vorzustellen, dass hier einst ein Welthafen war. Doch drei Jahrhunderte lang war das tatsächlich so. Frachtschiffe, Walfänger und Kriegsschiffe lagen hier vor Anker. Binnenschiffe, Lotsenboote und Fischerboote wimmelten dazwischen umher. Es gab immer etwas Besonderes zu sehen. Ein Ausflug zum Wattdeich bei Oudeschild war daher die größte Attraktion von Texel.

Die Reede von Texel von Johan Reydon

Das Tor zur Welt

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Die Reede von Texel verdankt ihr Bestehen ihrer Lage am Marsdiep, dem Tor zum Mittelmeer und zum Atlantischen Ozean. Holland wurde im 15. und 16. Jahrhundert eine wichtige Handelsnation und die Seeschiffe wurden immer größer. Sie hatten zu viel Tiefgang, um über die Untiefen der Zuiderzee zu kommen. Deshalb fuhren sie leer und ohne Ballast zur Reede von Texel, um dort weiter versorgt und ausgerüstet zu werden. Und wenn sie vollbeladen zurückkamen, wurde die Ladung auf Binnenschiffe für den Transport nach Medemblik, Enkhuizen, Hoorn und Amsterdam umgeladen.

Warten auf den Wind

2710 reede 1728

Alles hing vom Segel ab. Ein Schiff mit südlichem oder westlichem Ziel musste auf der Reede auf beständigen Nord- oder Ostwind warten. Das konnte manchmal Monate dauern. 1593 lag eine Flotte von 150 Frachtschiffen vor Anker auf der Reede. Sie waren im Ostseegebiet voller Getreide geladen worden. Viel von diesem Getreide war für Italien bestimmt. Aber der Zwischenstopp bei Texel endete dramatisch. In der Heiligen Nacht brach ein verheerender Sturm los, bei dem Dutzende von Schiffen verloren gingen.

Trinkwasser

Ein weiterer Vorteil eines Aufenthalts auf der Reede war das Trinkwasser, das auf Texel beim Hoge Berg hochgepumpt wurde. Dieses reine, eisenreiche Wasser war lange haltbar. Die Schiffe der VOC nahmen deshalb viele Fässer mit diesem Wasser an Bord, denn erst auf der Reede vom Kap der Guten Hoffnung konnte wieder neues Wasser aufgenommen werden.

Kriegsrat

Ludolf Bakhuizen Niederländische Schiffe auf der Reede von Texel; in der Mitte der 'Goldene Löwe', das Flaggschiff von Cornelis Tromp Rijksmuseum SK-A-8Sammlung Rijksmuseum

Die Reede war im 17. Jahrhundert auch ein wichtiger Ausgangspunkt für die Admiralitäten. Während der englischen Kriege sammelten sich die Flotten der holländischen Admiräle auf der Reede, um gemeinsam zu den Seeschlachten auszulaufen. Verschiedene Würdenträger dieser Admiralitäten ließen sich auf Texel nieder. Der Landsitz Brakestein und das Labyrinth auf dem Hoge Berg zeugen noch davon.

Walfang

Im Frühjahr wurden die Walfänger auf der Reede für eine Fahrt nach Grönland in den Sommermonaten vorbereitet. Besonders in Den Hoorn wohnten mehrere Kapitänsfamilien. Oft nahmen sie Familienmitglieder oder Bekannte als Besatzung mit. Manchmal kamen sie leer zurück, manchmal mit dem Laderaum voller Fässer mit Waltran und Barten.

Lotsen

DATIERUNG 1756?–?1782HERSTELLER JOHANNES VAN KEULEN UND SÖHNE Neue Seekarte von Texel und den Horst. Texel und den Horst. Der Teil der Karte mit Den Horst und der V-förmigen Sandbank südlich von Texel ist eingeklebt und sehr genau handschriftlich eingezeichnet. Dies ist eine besondere Karte, weil es, insbesondere vom ersten Zustand, verschiedene Varianten gibt. Dabei sind neben handschriftlichen Zusätzen manchmal auch Kartenstücke entfernt und durch eingeklebte handschriftliche Stücke ersetzt worden. Von dieser Karte ist außerdem ein Manuskript aus 1735 bekannt, das eine Untergrenze bei der Datierung liefert. Die Tatsache, dass von diesem Gebiet so viele verschiedene Kartenbilder gemacht wurden, hat natürlich mit den schnellen Veränderungen des Meeresbodens zu tun. Möglicherweise hat die häufige Anpassung dieser Detailkarte das regelmäßige Aktualisieren der Karte der Seefahrtswege weniger notwendig gemacht. Sammlung Zuiderzeemuseum

Jenseits des Marsdiep liegen die Haaksgronden. Das sind tückische Untiefen, die sich außerdem fast jährlich verlagerten. Darauf wollte kein Kapitän auflaufen. Deshalb nahmen die großen Schiffe stets einen Lotsen an Bord, der genau wusste, wie man die Untiefen umgehen konnte. Diese Lotsen waren oft Texelaner. Die meisten wohnten in Den Hoorn. Sobald das große Schiff in sicherem, tiefem Wasser war, musste der Lotse wieder nach Hause. Kleine, schnelle und seetüchtige Segelschiffchen fuhren also hin und her zu den abfahrenden Seeschiffen.

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